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Tiefste Überzeugung sperrte mich hinter eine Mauer. Der Regen spülte sie weg und brachte mir Erkenntnisse in die Freiheit.

Als der Regen fiel und tiefe Erkenntnisse brachte

Schicht um Schicht – so habe ich mir meine eigene Mauer gebaut

Ich habe eine bestimmte Ansicht in meinem Leben über eine sehr lange Zeit aufgebaut.
 Schicht um Schicht. Ich hatte mir akkurate Wahrnehmungsfilter erschaffen, durch die ich nun die Welt betrachtete. 
Ich habe Argumente gestapelt, Belege dafür gesammelt, dass ich Recht habe, Gespräche geführt, die meine Ansicht bestätigten, mir Zuspruch gesucht und erfolgreich gefunden. Dabei habe ich unbewusst alles so fest verankert, dass es fast zu einer Mauer wurde. Ich habe ein Urteil gefasst und es quasi unverrückbar untermauert.
 Hinter diese Mauer wähnte ich mich in Sicherheit und vor allem im moralischen Recht. Ich habe nicht bemerkt, dass man auf diese Mauer von zwei Seiten sehen kann. Ich habe die Mauer selbst als solche nicht einmal bemerkt. Und ich hatte keine Ahnung, welche Wirkung sie in meinem Leben haben würde.
 Wie viele Ebenen sie bestimmte. In wie vielen Schichten sie ihre Wirkung ausbreitete. Da alles kongruent war, fiel es mir nicht auf.

Der Wunsch, der nicht zu mir passte

Bis ich eines Tages einen Gedanken hatte – einen Wunsch – einen Plan für mein weiteres Leben. Einen Wunsch, den ich einfach mit nichts umgesetzt bekam. Und dabei stellte ich einfach nicht die richtige Verbindung zu meiner felsenfesten Überzeugung her. Ich erkannte den Widerspruch, die Dissonanz, nicht, weil ich nicht mehr auf alles blicken konnte. Meine Sicht war total versperrt. Es war, als hätte ich z. B. über Jahre hinweg erfolgreich manifestiert, dass ich Sport komplett ablehne – alles, was mit Sport zu tun hat: Sportstätten, -Veranstaltungen, -Geräte, sportliche Aktivitäten etc. – und mit einem Mal wünschte ich mir vom Leben, es möge mir einen athletischen, durchtrainierten Körper schenken.

Was behindert mich nur?

Da ich nun aber meinen Wunsch nicht erfüllen konnte, befasste ich mich damit, woran das liegen könne. Mit dem Verstand war das nicht zu erklären, auch Freunde und Familie etc. verstanden nicht, was mir im Weg steht. Alle Interventionen, die ich unternommen hatte – und glaube mir, es waren über die Jahre echt viele – alle Versuche, um hinderliche Glaubenssätze zu lösen, drangen nicht wirklich an mein Innerstes. Sie erfassten einfach nicht vollständig, wie tief verzweigt und wie vollumfänglich meine Ansicht in alle Richtungen abgedichtet war. Ich bin halt ein sehr nachhaltiger Mensch. Ich mache die Dinge entweder ganz oder eher gar nicht. Halbherzigkeit liegt mir nicht. So hatte ich mir über Jahre Zeit genommen, in aller Präzision meine Mauer zu erstellen.

Es gab von Lehrern, Coaches etc. vereinzelt Hinweise und Sätze, die wirklich logisch klangen, also versuchte ich im Folgenden ihre Ratschläge zu befolgen: meditative Visualisierungen, Affirmationen, Hypnose, Coachingtricks… ich ergriff allerhand mentale und energetische Werkzeuge.
 Mein Verstand konnte durchaus oft zustimmen, so einige Mauersteine habe ich sicherlich hier und da entfernt, aber im Inneren blieb alles unverändert. Die Mauer stand dennoch. Die Begrenzung.
Und da ich ja auch nicht erkannte, wo ich ansetzen muss, habe ich zeitgleich immer schön weiter an meiner Meinung gemauert. Ungewollte Selbstsabotage. (Kennste?)

Der Druck war kaum noch auszuhalten

Der Ruf, jetzt aber endlich mal vollständig aufzuräumen, die Sache ein für allemal zu durchdringen, frei von dieser Blockade zu sein, wurde immer lauter.
 Eine innere Forderung, die mich fast erdrückend drängte, an ein Ziel zu gelangen, das durch mein eigenes, felsenfest gemauertes Urteil fast unmöglich schien. Eine Art unerkannte Pattsituation, da nun der Gegendruck eine Stärke aufbaute, die offenbar in der Lage war, wirklich etwas zu bewegen.
 Ich wusste, dass ich etwas verändern musste, dass es Zeit war, wirklich weiterzugehen, wirksam zu handeln.

Der Spaziergang der alles löst

Und dann begann letztlich der Prozess, der alles veränderte. Der mir half, dass ich die Mauer erkannte und dann fiel sie förmlich in sich zusammen.
Ich ging vorgestern raus. Einfach los. Es trieb mich immer weiter, mein Weg war ohne Ziel, nur angeleitet vom inneren Gefühl, weitergehen zu wollen. „Noch bin ich nicht am Ziel“. Mein Thema hatte ich dabei gar nicht im Kopf, ich war sozusagen völlig ahnungslos.
 Es war überraschend mild und der zarte Nieselregen fiel leicht auf mich, und während ich ging, spürte ich, wie sich etwas in mir bewegte. Ich konnte es nicht gleich greifen, spürte aber deutlich, dass etwas an die Oberfläche mag und gab dem Raum. Ich ließ es zu und stellte keine Fragen. Blieb einfach im Laufen.

Im Dialog mit… mir?

Zuerst ein Gedanke, dann der nächste, Sätze fielen mir ein, die sich ineinander fügten, ich führte einen Dialog. Ich sprach innerlich Dinge aus, bewegte mich immer mehr zum Kern des Themas, bemerkte, wie ich um meinen unerfüllten Wunsch kreiste und ihn richtiggehend sezierte.
Und dann kamen die richtigen Fragen. Die Antworten waren da, bevor ich sie vollständig gedacht und gestellt hatte.
Das war nicht mein Verstand, der mir da geantwortet hat. Ich spürte die Unterstützung der geistigen Welt -sie war da, leise und präsent, und trug mich. Durch meine Widersprüche, durch all die Schichten, die ich so mühevoll aufgebaut hatte, durch die Urteile, die ich geformt und so in die Welt entlassen hatte, durch die äußere Spaltung, die ich dadurch bedient hatte und vor allem: durch meine innere Spaltung. Mehr und mehr bekam ich Blitzlichter, die mir Situationen und Gespräche, Begegnungen und Umstände zeigten, in denen ich mit meiner Haltung mein Leben eben so manifestiert hatte, wie ich es nun vorfand. Ein Mitmensch, mittlerweile verstorben, fiel mir ein, der durch mein Vorurteil ganz besonders betroffen gewesen war.

Zusammenspiel von Himmel und Erde

Auch mein Körper reagierte. Wie ein Stromschlag zog ein kurzes und festes Zittern durch jede Zelle. Gänsehaut kroch mir über Arme und Rücken, die Kopfhaut, die Beine. Ich fing unwillkürlich an, mich leicht zu schütteln und zu weinen, ich konnte nicht einmal die Laute vermeiden, die sich kraftvoll einen Weg aus meinem Inneren bahnten. Zum Glück war ich allein in der Natur.

Der Regen begann immer stärker zu werden, als wollte er alles Alte wegräumen, was mich bisher blockiert hatte. Wind kam auf und fegte durch die Blätter und lüftete meinen Geist.
 Jede Träne nahm etwas von der Trennung mit, die ich so lange gelebt hatte.
 Ich fühlte die Befreiung, die Auflösung, die sich über meinen Körper und meine Gedanken ausbreitete. In jeder Zelle schien sich etwas zu lösen.

Es mag andere Erklärungen geben für die plötzliche Klarheit, die Spannung und das Kribbeln im Körper, die Gänsehaut, den Schauer, die Tränen, die unaufhaltsamen Laute, den stärker werdenden Regen, die Windböe. Für den Moment, in dem alles gleichzeitig auf einmal zusammen kam und sich etwas in mir wandelte. Doch ich stelle es nicht in Frage: Nun war es an der Zeit, es zu lösen und die geistige Welt unterstützte mich.

Ich bin auch überzeugt, jener verstorbene und von mir vorverurteilte Mitmensch unterstützt mich nun aus dem Jenseits. Ich bin sehr dankbar.

Die Welt steht uns offen, wenn wir uns selbst befreien

Die Mauer ist in sich zusammengefallen. Mein Blick ist frei geworden. Wieder einmal stelle ich fest, dass die Welt ein Stück größer geworden ist. Und schöner für mich.
Jetzt ist ganz viel Platz da, Öffnung für neue Begegnungen und ich bin schon so aufgeregt und voller Vorfreude auf die neuen Erfahrungen, die ich machen werde! Mein Raum der Möglichkeiten ist spürbar größer. Ich habe ein inneres Verbot aufgehoben, ich erlaube mir nun, was ich schon lange jedem anderen erlaube und erkenne darin keinen Angriff mehr gegen meine Integrität. Ich spüre eine tiefere Verbindung zu allen – wieder ein Stück mehr. Auch hier klappt das also. Ich gehe jetzt anders, leichter. Ich atme anders, freier.

Ich habe bereits vor einiger Zeit einen sehr persönlichen Blick auf meinen Erkenntnisweg geworfen. Du findest ihn hier.

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